Konservativismus ist okay, völkscher Nationalismus nicht? Diese Unterscheidung klappt nicht

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche von Sachsen hat seit vier Jahre lang einen Bischof, der früher zumindest rechtsextreme, völkische, antidemokratische Positionen vertreten und sich bis heute nur so lala davon distanziert hat. Er hat das während seiner Wahl verschwiegen, herausgekommen ist es durch Proteste von der Basis und unabhängige Recherchen von Journalisten. Die Landeskirche schreibt in einer Erklärung:

Seit seiner Ordination und während seiner Amtszeit als Pfarrer und Landesbischof unserer Landeskirche ist Dr. Rentzing mit klaren konservativen Positionen aufgetreten, aber über eine rechtsextreme oder nationalistische Denkweise ist in der kirchlichen Öffentlichkeit nichts bekannt geworden

Eine ähnliche Unterscheidung machte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedord-Strohm, der sagte:

„Als evangelische Kirche müssen wir uns eindeutig und laut vernehmbar gegen rechtsextremistische Einstellungen positionieren.“ Für ihn sei jedoch auch klar, dass konservativ denkende Menschen und ihre Traditionen in der Kirche „selbstverständlich ein Zuhause“ hätten

Ich glaube ja, dass dieses Herumeiern von „Man muss entschieden gegen Völkisches und Rechtsextremes sein“ und „Konservative Positionen sind in der Kirche selbstverständlich zuhause“ strukturell zum Scheitern verurteilt ist.

Denn das „Konservative“ in kirchlichen Positionen ist fast immer Frauenfeindliches, es geht darum, das Schwangerwerdenkönnen zu kontrollieren, Heterosexualität als Norm zu setzen und Frauen einen Platz des Dienens für die Gesellschaft zuzuweisen. Das kann man lieblich und bieder ausdrücken, wie evangelikale Stimmen, oder man kann es hetzerisch ausdrücken, wie Fundis, oder man kann es in die Tat umsetzen und zum Beispiel Ärzte ermorden, die Abtreibungen vor nehmen.

Der Attentäter von Halle, hat ebenfalls eine direkte Linie gezogen und den Feminismus als Grund für niedrige Geburtenraten im Westen genannt, die zu vermeintlicher Massenmigration geführt hätten. Frauenfeindlichkeit ist die gesellschaftlich akzeptierte Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus, und es gibt da keine klare Grenze von „ist noch okay“ zu „geht gar nicht“.

Sicher sind konservative Positionen ein legitimer Teil des gesellschaftlichen Diskurses, aber hier werden Positionen als „konservativ“ gelabelt, die in Wirklichkeit hetzerisch und menschenfeindlich sind. Das ist ein perfider Trick, der Parallelen aufweist zu den AfD-Behauptungen, sie seien eine „bürgerliche“ Partei. Und es ist fatal, dass die Kirche darauf reinfällt.

Solange Heterosexismus als „konservative“ legitime Position innerhalb von Kirchen geduldet wird, wenn er sich nur blümchenhaft nett ausdrückt, wird es auch solche Aussetzer nach rechtsaußen geben. Solange die Kirche sich nicht zu einem Schuldbekenntnis gegenüber Frauen und nicht-heterosexuellen Menschen durchringt, wird es solche Aussetzer nach rechtsaußen geben.

Mir ist schon klar, dass diese Abkehr von der eigenen frauenfeindlichen, heterosexistischen Ideologie, die über Jahrhunderte ein Kernmerkmal des Christentums war, schwierig und konfliktreich ist. Aber sie ist für mich ein notwendiger Weg, ebenso notwendig, wie es die Abkehr vom systematischen christlichen Antijudaismus war. Ich halte es für grundfalsch, wenn die Kirche die so genannten „Konservativen“ (also Heterosexisten, die Menschen mit Gebärmutter für Dienerinnen der Gesellschaft halten und sich für berechtigt halten, in deren körperliche Selbstbestimmung einzugreifen) weiterhin in ihren Reihen für willkommen hält.

Ein Kommentar zu „Konservativismus ist okay, völkscher Nationalismus nicht? Diese Unterscheidung klappt nicht

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  1. „Am 23. Juli wurde ein Photo getwittert. Zwei alte Männer, die sich küssen. Nach 54 Jahren hatten sie die Möglichkeit, „anständig“ zu heiraten und haben es sofort getan. Das Bild hat mich besonders berührt, weil meine Frau und ich in diesem Jahr unser 54jähriges Kennenlernjubiläum feiern konnten. Die zwei alten Männer haben 54 Jahre illegal zusammen gelebt. Welches Unrecht haben wir, unsere Gesellschaften, unsere Kirchen solchen Menschen angetan! Auch wenn es manche Fundamentalisten nicht wahrhaben wollen: Menschenrechte sind wichtiger als religiöse Traditionen. Wenn Sie’s biblisch haben wollen: Der Sabbat ist für den Menschen da – und nicht umgekehrt.“

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